Kirchliche Freiwilligenanimation – eine Berufsfelderweiterung

Mittwoch, 7. Nov. 2018

Wer einen Fachausweis von ForModula hat, kann zukünftig auch weitere Aufgaben in der Seelsorge übernehmen. Jugendarbeitende sowie Katechetinnen und Katecheten sollen ihr Berufsfeld auf «Kirchliche Freiwilligenanimation» ausdehnen können. Diese neue Funktion haben die Bischöfe und Generalvikare am 30. Oktober 2018 in der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK) auf Antrag des Bildungsrates eingeführt. Zugleich regelten sie die Ausbildung: Mit drei bis fünf Modulen vermittelt ForModula die nötigen Kompetenzen. Voraussetzung ist der Lehrgang Freiwilligen-Koordination des Vereins «benevol». Was Freiwilligenanimation in der Kirche ist, hängt auch von Standards, Trends und Perspektiven ab, die sich für das Milizengagement in der Schweiz generell abzeichnen.

Freiwillige professionell begleiten

Kirche wird durch vielfältiges Engagement lebendig. Doch das ist heute kein Selbstläufer mehr, auch nicht in der Schweiz mit ihrem traditionell starken Milizengagement. Freiwillige wünschen sich vermehrt professionelle Begleitung und Bildungsangebote. Und sie wollen zunehmend nicht mehr nur Anerkennung für die Erfüllung nötiger Aufgaben, sondern streben nach mehr Partizipation. Den «neuen Freiwilligen», so der Titel einer aktuellen Studie des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) im Auftrag von «Migros Kulturprozent», gehe es nicht mehr um die Behebung von Missständen. Vielmehr strebten sie danach, Freiräume oder Potenziale zu erschliessen, um gemeinsame Probleme anzugehen. Für die Kirche stellt sich überall dort eine besondere Herausforderung, wo in die Hände Freiwilliger zunehmend Tätigkeiten übergehen, die früher Seelsorgende professionell ausübten.
Auf neue Formen des Engagements muss die Kirche aufmerksamer werden. Diese Forderung stellt sich in einer Zeit, in der Pfarreien sich in grösseren Strukturen organisieren müssen und die Unübersichtlichkeit eher gestiegen ist. Neue Formen des Zusammenhalts und des Engagements sind gefragt. Dafür zuständig sind in erster Linie die Seelsorgenden, insbesondere mit Leitungsverantwortung. Sie können vor allem nicht von der strategischen Führung dispensiert werden. Deshalb gab es für sie im vergangenen September erstmals ein spezielles Weiterbildungsangebot des Theologisch-pastoralen Bildungsinstituts (TBI).
Im operativen Bereich aber könnte mehr Personal helfen, wie eine Bedarfsanalyse im Auftrag der DOK im letzten Jahr feststellte. Die Hälfte der Befragten tendierte in die Richtung, dass eigens ausgebildetes Personal für die Freiwilligenbegleitung sinnvoll wäre. Der Bildungsrat kam auf Grundlage der Umfrage zur Empfehlung, Personal ohne Theologiestudium für die Aufgabe zu qualifizieren, das bereits bei der Kirche angestellt ist. Und das sind Inhaberinnen und Inhaber eines Fachausweises von ForModula in erster Linie.

Eine neue Perspektive nach dem Fachausweis

Bislang bestanden kaum attraktive Anschlüsse an die ForModula-Ausbildung. Viele Berufstätige in Katechese oder Jugendarbeit würden ihren geringen Stellenumfang aber gerne erhöhen. Ob da Freiwilligenanimation das Richtige ist, wird mit den jeweiligen Anstellungsbehörden abzuklären sein. Fest steht jedoch, dass für die Aufgabe nur Personen in Betracht kommen, die aus einem möglichst breiten Handlungsrepertoire schöpfen können. Sie müssen hinreichend beziehungs- und kommunikationsfähig sein, um Freiwillige in einer Begegnung auf Augenhöhe mit kompetentem Blick für ihre Ressourcen und Potentiale professionell zu begleiten.

Neuer Bausatz

Die berufsbegleitende Weiterbildung in ForModula gestaltet sich je nach Vorbildung in einem neuen Modulbausatz. Kirchliche Jugendarbeitende bringen Kompetenzen mit, die nicht alle Katechetinnen und Katecheten während ihrer Ausbildung bereits erworben haben. Das betrifft vor allem «Methoden der Projektarbeit» (Modul 29) und «Umgang mit Konflikten» (Modul 33).
Für die Qualifizierung werden aber auch drei vollkommen neue Module angeboten: Alle Interessierten erhalten die Gelegenheit, ihr theologisches Grundwissen zu den Themen Kirche und Pastoral zu vertiefen. Das kompakte Modul 1 wird berufspraktisch orientiert sein. Fachkompetenzen vermitteln die neuen Module 41 «Grundzüge der Gemeinwesenarbeit» und 42 «Berufsfeldgestaltung der Kirchlichen Freiwilligenanimation». Damit wird die soziokulturelle Animation bzw. die Gemeinwesenarbeit als Kompetenz in Seelsorgeteams verstärkt.
Diese Pilotmodule wird das TBI ab Herbst 2019 anbieten. Module 29 und 33 können bereits bei anderen Modulanbietern absolviert werden.

Erster Schritt zu benevol

Als erstes sollten sich Interessierte jedoch informieren, wann und wo sie den Lehrgang «Freiwilligen-Koordination» bei benevol absolvieren können. Er muss 3,5 Tage umfassen und bildet die Grundlage für die kirchliche Ausbildung. Der Lehrgang vermittelt öffentlich anerkannte Methoden und administrative Leitlinien. Eine Teilnahmebestätigung lässt erwarten, dass diese Standards auch in der kirchlichen Arbeit gehalten werden.

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